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Seilzugfähre "Else"

Neubaufinanzierung der Seilfzugfähre Bahrenfleth/Beidenfleth ist gesichert

 

„Else” mutt fohr’n


Bahrenfleth/Beidenfleth/Kreis Steinburg

 

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„Else“ mutt fohr’n - Schlagwort und Handlungsmaxime zugleich haben die Verantwortlichen in der Kremper- und der Wilstermarsch getrieben, um die historische Fährlinie über die Stör zwischen Bahrenfleth und Beidenfleth zu erhalten. „Else“, so heißt die jetzige Fähre, die in die Jahre gekommen ist.

 

Und nun ist es vollbracht. Dr. Ralf Stegner, Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, übergab am Freitag Nachmittag den Förderbescheid des Landes Schleswig-Holstein für die Mittel aus dem Förderungsfonds Nord an die beiden Trägergemeinden. Sichtlich stolz nahmen Gerhard Jens aus Beidenfleth und Rudolf Hahnkamm aus Bahrenfleth – beide als stellvertretende Bürgermeister -  den Förderbescheid entgegen. „Nun ist es geschafft, denn auch der Förderbescheid mit den EU-Mitteln ist auf dem Postwege“, freuten sich beide unisono. Das wurde von Frau Verena Boehnke vom ALR Lübeck in Itzehoe am Donnerstag noch einmal ausdrücklich bestätigt.

 

Innenminister Stegner machte deutlich, dass er der Entwicklung der Maritimen Landschaft Unterelbe innerhalb der Metropolregion Hamburg hohe Bedeutung beimesse und dass der Neubau der Fähre und damit die Erhaltung der Fährlinie dazu führen, dass Touristen und Pendler eine schnelle und nahe Verbindung über die Stör vorfinden.

 

Historie/Entwicklung
Seit mindestens 366 Jahren verbindet eine Fähre über die Stör in Bahrenfleth/Beidenfleth die  Wilstermarsch mit der Krempermarsch. Doch ihre Zukunft war nicht mehr gesichert. Denn die privat betriebene 17 Meter lange Seilzug-Fähre "Else", die seit 64 Jahren Menschen, Tiere und Autos in etwa zweieinhalb Minuten über den Fluss transportiert, muss zum TÜV. Unterboden und Antrieb müssen erneuert werden, zudem kann die Fähre nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Frank Timm, der jetzige Besitzer, hat sich Ende 2004 an seine Gemeinde Beidenfleth und das Amt Wilstermarsch gewandt, um eine Lösung zu finden. Eine Sanierung der alten Fähre wurde schnell verworfen; sie ist einfach zu unwirtschaftlich und bedeutet Flickwerk. „Ein Fähren-Neubau für geschätzte Kosten von 600 000 Euro muss her“, waren sich Bürgermeister und Amtsvorsteher Harm Früchtenicht aus der Krempermarsch, Bürgermeister Peter Krey aus Beidenfleth und Amtsvorsteher Eggert Block aus Brokdorf einig.

 

Weitere Schritte
Das Amt Wilstermarsch beauftragte die Büros Günther & Pollok und Region Nord mit der Erstellung eines Nutzungskonzeptes, das die Tragfähigkeit eines Fährbetriebes nachwies. „Heraus kam zwar ein dauerhafter Zuschussbedarf der öffentlichen Hand, das war aber lösbar“ meinte der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Wilstermarsch, Hans-Werner Speerforck. „Wir stießen bei Politikern und in den Verwaltungen auf offene Ohren, so dass alle an einem Strang gezogen haben. Das war für mich sehr beeindruckend“, betont Speerforck. Förderanträge wurden gestellt und Gespräche mit dem Kreis Steinburg, mit Kiel, Hamburg und Niedersachsen folgten.
Zwischenzeitlich stellten die Gemeinden und Ämter den weiteren Fährbetrieb durch eine Vereinbarung mit dem Betreiber Frank Timm sicher. Ihm wurden für 2005 Teile seiner Betriebskosten von der Hand gehalten und das Risiko der Reparaturkosten übernahmen ebenfalls Beidenfleth und Bahrenfleth. Frank Timm, der immer wieder von sich betont, Fährmann mit Leib und Seele zu sein, gilt der Dank, dass er in dieser schwierigen Übergangsphase den Fährbetrieb aufrecht erhält. Gemeinsam will man nun versuchen, die Zulassung der Fähre mit einer Verlängerung des Fährzeugnisses bis Mitte 2006 zu erreichen und auch mit Frank Timm den Betrieb für diese Zeit zu vereinbaren.

 

Neubauplanung
Schon im Mai erhielt die Firma Schiffstechnik Buchloh in Unkel-Scheuren (Rheinland-Pfalz) den Auftrag, einen Neubau zu planen und die Kosten zu ermitteln. „Mit der Firma haben wir einen Glücksgriff getan“, sind sich Harm Früchtenicht und Peter Krey einig. „Wir sind sachkundig und zügig beraten und bedient worden, so dass wir mit unseren gemeinsamen Entscheidungen kaum nachgekommen sind“. Alles ist bereit und so ist nun die Möglichkeit gegeben, noch an diesem Wochenende die Veröffentlichung der Ausschreibung im EU-Blatt in Luxemburg auf den Weg zu bringen. Jeder Tag zählt und eine Sonderschicht ist für die Amtsverwaltung in dieser Frage kein Thema.

 

Die Neubaukosten wurden von der Schiffstechnik Buchloh mit 615.000 Euro einschließlich Nebenkosten veranschlagt. Alle Beteiligten hoffen jedoch auf ein günstigeres Ausschreibungsergebnis und darauf, dass der Auftrag in der Region vergeben werden kann. Für die Bauzeit ist eine Zeit von sechs Monaten eingeplant.

 

Die Finanzierung

Land Schleswig-Holstein aus EU-Mitteln aus dem Programm ZAL
(Zukunft auf dem Land) 

307.500 €

Zuschuss aus dem Förderungsfonds Nord
(gemeinsamer Finanztopf von Hamburg und Schleswig-Holstein)

153.750 €

Kreis Steinburg 

75.000 €

Ämter und Gemeinden (Krempermarsch und Wilstermarsch)

78.750 €

 



 

 



 


Ausdrücklich zu danken ist Herrn Innenminister Dr. Stegner, der, persönlich von Bürgermeister Peter Krey angesprochen, für eine Förderung gesorgt und diese gegen die Auffassung seiner Beamten im Ministerium durchgesetzt hat. Auch die Landräte Dr. Rocke aus Itzehoe und Dr. Grimme aus Pinneberg haben selbst bei der Einwerbung der Mittel beim Förderungsfonds hilfreich unterstützt. Das gilt natürlich besonders auch für die Zuschussmittel des Kreises, für die auch viele Kreistagspolitiker mit gesorgt haben.

 

Perspektiven
Das Amt erwartet die Angebote der Werften bis zum 19.12.2005. Über den Jahreswechsel werden die Angebote in Unkel-Scheuren geprüft . „Der Herr Buchloh will über die Festtage arbeiten, das hat er mir eben noch aus der Rotweinstadt Unkel gemailt“, freute sich Hans-Werner Speerforck über dessen Bereitschaft. Ab Anfang Januar 2006 soll dann über den Neubau-Auftrag beraten und entschieden. „Wird der Auftrag am 15. Januar erteilt, haben wir am 15. Juli 2006 eine neue Fähre. Das ist zu schaffen“, waren sich alle Kommunalpolitiker, die bei der Übergabe des Bescheides auf der Fähre dabei waren, sich einig.

 

Gesetzlichen Vorgaben folgend müssen die beiden Gemeinden den künftigen Fährbetrieb mit der neuen Fähre öffentlich ausschreiben, bevor die Fähre, deren Eigentümer künftig Bahrenfleth und Beidenfleth sein werden, an einen Betreiber verpachtet wird. Mit den Anforderungen an das Leistungsbild für die Ausschreibung werden die Gremien sich schon im November befassen. „Die Ausschreibung soll zügig laufen, damit der Pächter der Fähre langfristig planen kann und Sicherheit hat“, kündigt das Amt Wilstermarsch an. „Im Januar soll auch das in trockenen Tüchern sein.“

 

24.10.2005, H.-W. Speerforck

 

Die Seilzugfähre verbindet Bahrenfleth und Beidenfleth und wird in den Sommermonaten von vielen Radfahrern/innen genutzt.